Marchtrenk von der Steinzeit bis in die Gegenwart

Von den ersten Spuren bis zum Ende der Römerzeit


 | 2500 v.Chr. |
Jungsteinzeitlicher Fund von Niederperwend
Beim Beitelmairgut wird beim Ausheben einer Baumpflanzgrube eine jungsteinzeitliche Abfallgrube entdeckt. Der Fund umfasst Gefäßscherben und Werkzeuge, Schöpflöffel, Steinbeile, Pfeilspitzen und Hüttenwandreste. Solche gemischten Funde weisen auf eine nahe beständige Siedlung hin. Der Fund, er ist im Museum der Stadt Wels teilweise ausgestellt, gehört nach der Art der Keramik zur jungsteinzeitlichen Münchhöfer Kultur, die ab 3000 auch in Oberösterreich nachgewiesen ist, Die Menschen wurden in dieser Zeit sesshaft und begannen Landwirtschaft zu betreiben.
Siehe auch: Der jungsteinzeitliche Fund von Niederperwend

| 1500 v. Chr. |
Bronzezeitliche Hockergräber in Leithen – Holzleithen
Beim Anlegen von Schottergruben 1957 wird südlich der Bundesstraße in Leithen, von dort sich über Holzleithen nach Osten ausbreitend, ein großes bronzezeitliches Hockergräberfeld mit umfangreichen Grabbeigaben entdeckt. Die zugehörige Wohnsiedlung wird in Leithen vermutet.

| 900 v. Chr. |
Hallstattzeit -Eisenzeit
Zahlreiche keltische Funde entlang der heutigen Bundesstraße 1, in Neubau, ab 2005 systematisch ausgegraben, zeigen, dass die Besiedelung in der Welser Heide auch in der Eisenzeit dauerhaft war. Die feste, schotterige, ebene Heide, das leicht erreichbare Ufer und Wasser der Traun, der Fischreichtum der Traun sowie der Heidebäche ließen trotz der Kargheit des Bodens erfolgreiches Wirtschaften zu.

| 15 v. Chr. |
Beginn der Römerzeit in Norikum
Unter Kaiser Augustus kamen die Römer in das Gebiet des heutigen Oberösterreich. Sie arrangierten sich mit den einheimischen Kelten und übernahmen den militärischen Schutz bis zur Donau. Ovilava, das heutige Wels und Lauriacum, das heutige Lorch bei Enns, wurden die wichtigsten Stützpunkte der Römer. Die Straße zwischen den beiden Stützpunkten führte durch die Welser Heide, wie der römische Meilenstein, der östlich von Ovilava in der Reitschulgasse in Wels erhalten geblieben ist, beweist. Diese Römerstraße kann man als Vorläuferin der heutigen Bundesstraße 1 sehen, die in der Monarchie noch Reichsstraße geheißen hat. An dieser ehemaligen Römerstraße hat sich das Dorf Marchtrenk entwickelt.

| bis 487 n. Chr. |
Die Römer in Norikum 
Die ersten 150 Jahre der Römerzeit verliefen sehr friedlich, Norikum am Rande des Weltreiches  erlebte eine Blüte unter der Pax Romana. Ein reger Handel nach Süden zu Italien und nach Norden über die Donau bewirkte einen relativen Wohlstand. 120 erhält Wels das Stadtrecht, es wird zum Municipium Ovilava. Mit den Germaneneinfällen ab 160 begannen in Norikum schwierige Zeiten. Kaiser Mark Aurel (161 -180) verbrachte eine Großteil seiner Regierungszeit in Norikum und Pannonien mit der Abwehr der Markomannen. 215 wird Wels unter Kaiser Caracalla Colonia befestigte Stadt. Kaiser Maximinus Thrax 235, so steht es am Welser Meilenstein, lässt die Römerstraße Ovilava -Lauriacum (wahrscheinlich nach Kriegen ) wieder instandsetzen. Die Welser Heide wurde auf dieser Straße von römischen Heeren, Kaisern und sogar einem große Heiligen durchquert. Das Christentum hatte um 250 in Ovilava Fuß gefasst. Zeugnis davon gibt der Grabstein der Ursa von Wels. 303 erlitt der hl. Florian, unser zweiter Landespatron, in Lorch das Martyrium während der diokletianischen Christenverfolgung. Florian war Sekretär des römischen Statthalters in Ovilava gewesen, zog als Pensionist nach Cetium (St. Pölten) und kehrte von dort zur Verteidigung seiner christlichen Glaubensbrüder nach Lorch zurück. Ehe sich 487 die Römer aus Norikum nach Italien zurückzogen, sind im Gebiet von Oberösterreich um 450 die Hunnen eingefallen.

Von den Baiern bis zum großen Ortsbrand

 | 500 – 700 |
Stammesbildung der Baiern
Nach Abzug der Römer begann sich das Frankenreich von Westeuropa ins ehemalige Norikum auszudehnen, wobei unter Verschmelzung verschiedener Germanenstämme zwischen Donau und Enns das Volk der Baiern entstand. Die Agilofinger stellen die ersten Herzöge Bayerns, die auch die Christianisierung vorantrieben. Vom hl. Rupert, der aus Worms ins Land gerufen wurde, wird berichtet, dass er sich in Lorch aufgehalten hat, bevor er um 696 in Salzburg das Kloster St. Peter gründete. Sein Weg nach Salzburg hat ihn sicher durch die Welser Heide geführt.

| um 750 |
Bairische Reihengräber von Marchtrenk
Beim Anlegen eines Gartens werden beim Haus Linzer Straße 37 -neben dem heutigen Feuerwehrdepot – sechs bairische Reihengräber freigelegt. Die regelmäßige Art der Bestattung lässt auf einen kleinen Friedhof schließen, zu dem zumindest ein Weiler gehört haben muss. Aus dieser Zeit stammen Namen wie Hörsching 796, Oftering, Wilhering, wurden die Klöster Mondsee 748 und Kremsmünster 777 gegründet, und Wels 776 erstmals urkundlich erwähnt. Diese Reihengrabanlage ist die erste Spur eines Dorfes hier in Marchtrenk. Eine Sichel als Grabbeigabe unterstreicht die Existenz einer landwirtschaftlichen Siedlung.

| um 750 |
Der Name Marchtrenk
Die Ableitung aus dem althochdeutschen Bestimmungswort marha = Streitroß und dem ahd. Grundwort trenka = Tränke wird durch die Tatsache unterstrichen, dass nirgendwo in der Heide die alte Römerstraße so nahe an ein Gewässer gelangt, wie hier in Marchtrenk beim  Mühlbach. Tatsächlich befand sich bei der heutigen Sternmühle bis zu Beginn des vorigen Jahrhunderts eine Pferdeschwemme, die auch auf den ersten Karten von 1824 nachzuweisen ist. Gut möglich, dass man schon zur Zeit der bairischen Besiedlung die Pferde am Mühlbach vor dem Ritt durch die Heide tränkte. (Althochdeutsch war die Sprache des Frühmittelalters).

| 796 |
Erste Erwähnung von Hörsching
Hörsching wird im Traditionsbuch des Klosters Mondsee erstmals urkundlich erwähnt.

| 1196 |
Die Pfarre Hörsching
Hörsching wird als Pfarre erstmals urkundlich erwähnt, eine sehr große Pfarre. Sie umfasste auch das Gemeindegebiet von Marchtrenk.

| 1299 |
Erste Erwähnung von Marchtrenk
Marchtrenk im Stiftsurbar von Kremsmünster erstmals urkundlich erwähnt. Ende des 13. Jahrhunderts kommt die Herrschaft Steyregg von den Kuenringern an die Kapeller, die von den Wildoniern dazu deren Güter um Wels (sehr wahrscheinlich waren dies Höfe in Marchtrenk ) erwerben. Die Kapeller richten in Marchtrenk ein Amt als Verwaltungsstelle ein und bauen eine Kapelle. Damit beginnt die Entwicklung eines lokalen Gerichtes, einer selbständigen Pfarre und letztlich der politischen Gemeinde Marchtrenk. 600 Jahre war deshalb die Geschichte Marchtrenks eng mit der von Steyregg verbunden.

| 1394 |
Die Marchtrenker
Eberhard Marchtrenker wird als Steyreggs Amtmann zu Marchtrenk in einer Urkunde erwähnt. Die Familie der Marchtrenker gelangt in Wels zu Hausbesitz und Ratsbürgerschaft In Enns wird ein Marchtrenker Stadtschreiber des Landesherrn Kaiser Rudolf II., der den hohen Beamten in den Adelsstand erhebt. Auf diese Nobilitation, die als Baronie zu verstehen ist, geht wohl der Ruf der Marchtrenker als Ritter zurück. Als treue Protestanten mussten die Marchtrenker auswandern. Der letzte der Marchtrenker starb 1743 in Badisch Sulzbach bei Karlsruhe.

| 1406 |
Die Liechtensteiner in Marchtrenk
Die Herren v. Liechtenstein heiraten in die Herrschaft Steyregg. Dieses Adelsgeschlecht, es herrscht heute im Fürstentum Liechtenstein – Vaduz, erwirbt für seine Herrschaften das hohe Landgericht, wodurch Marchtrenk Gerichtsort wird. Es begann eine rege Bautätigkeit in Marchtrenk. In dieser Zeit entsteht die „Obere Tavern“ oder Richterwirtshaus, heute das  Hotel Gasthof Fischer als erster profaner Steinbau in der Welser Heide. Siehe auch: Marchtrenk und Lichtenstein

Von der selbständigen Gemeinde bis zum Ende des Ersten Weltkriegs


 | 1849 |
Marchtrenk wird politische Gemeinde
Im Zuge der Ablösung der Grundherrschaften wird ein neues Verwaltungssystem installiert, das weitgehend so ist, wie wir es heute kennen. Die Gemeinden erhalten einen Bürgermeister und einen Gemeinderat. Die Gemeinderatsprotokolle ab 1849 liegen im Historischen Archiv der Stadt Marchtrenk auf.

| 1851 |
Beginn der Industrialisierung Fabrik für Leinenbleiche und Appretur bei der Obermühle (heute Fabrik Becker) errichtet.

| 1854 | Dampflokbetrieb auf der Pferdeeisenbahnstrecke Eine Lok heißt Marchtrenk.

| 1860 | Eröffnung der Kaiserin – Elisabeth -Westbahn Die Eröffnung der KEB führt zur Einstellung der Pferdeeisenbahn.

| 1865 | Installation einer Poststelle Das Postamt Wels errichtet am Bahnhof Marchtrenk eine Poststelle.

| 1866 | Errichtung der Schafwoll- und Deckenfabrik (spätere Walter-Fabrik)

 | 1868 | Einrichtung des Standesamtes

 | 1870 | Das erste Gemeindeamt stand am Platz der heutigen Linzer Straße 7.

| 1872 | Eröffnung der „Neuen Volksschule“ im Gebäude des Gemeindeamts (heute Linzer Straße 9). Familie Becker übernimmt Fabrik für Leinenbleiche und Appretur (ehem. Obermühle) Ausbau zur Schafwollspinnerei, heute Fa. Ernst Becker&Sohn, Spinnerei KG

| 1885 | Ein Erdbeben in Marchtrenk.

 | 1890 | Volkszählung 1699 Einwohner, 1384 Katholiken, 315 Protestanten